Grundrente ab Januar 2021 - das ist geplant

Grundrente in DeutschlandAlle Rentnerinnen und Renter in Deutschland sollen einen Zuschlag auf ihre normale Rente bekommen, wenn sie mindestens 35 Jahre lang Beiträge eingezahlt haben,ihre Beitragsleistung aber unter 80 Prozent und über 30 Prozent des Durchschnittseinkommens liegt. Die Grundrente für Bestands- und Neurentner soll ab dem 1. Januar 2021 gelten. Profitieren sollen davon rund 1,2 - 1,5 Millionen Rentner, darunter vor allem Frauen. Eine Friseurin, die 40 Jahre lang auf dem Niveau von 40 % des Durchschnittslohns voll gearbeitet hat kommt dann monatlich statt auf 528 Euro dann auf 933 Euro.
Zusätzlich werden Jahre, in denen eigene Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt wurden, mit berücksichtigt. Die Freigrenze für Alleinstehende beträgt 1.250 Euro und für Paare 1.950 Euro. Ein weiterer Freibetrag wird beim Wohngeld eingeführt, so daß die höhere Rente hier nicht wieder verrechnet wird. Eine Bedürftigkeitsprüfung gibt es nicht, dafür aber eine einfache Einkommensprüfung durch Rentenkasse und Finanzverwaltung welche automatisch durchgeführt wird.
Einige Details wie z.B. die Gleitzone bei weniger als 35 Beitragsjahren werden im laufenden Gesetzgebungsverfahren der nächsten Monate geklärt.

 

Wie funktioniert die Einkommensprüfung?

Das Recht auf Bezug der Grundrente soll über eine Einkommensprüfung geregelt werden, die von der Rentenversicherung und den Finanzämtern vorgenommen werden soll. Bezieher der Grundrente sollen nur diejenigen sein, deren monatliches Gesamteinkommen bei Alleinstehenden unter 1.250 Euro und bei Paaren unter 1.950 Euro liegt. Im Koalitionsbeschluss heißt es dazu: "Dabei wird das zu versteuernde Einkommen unter Hinzurechnung des steuerfrei gestellten Anteils der Rente und aller Kapitalerträge zugrunde gelegt".

 

Wird es eine Bedürftigkeitsprüfung geben?

Nein, eine Bedürftigkeitsprüfung wird es nicht geben, da es bei der Grundrente um die Anerkennung einer Lebensleistung geht. Wer ein Leben lang gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat, soll sich nicht vor dem Sozialamt erklären müssen. Bei einer Bedürftigkeitsprüfung wie bei der Grundsicherung würden z.B. finanzielle Rücklagen schon ab 5000 € angerechnet werden.

 

Muß ich Nachweise erbringen?

Es müssen für den Erhalt der Grundrente keinerlei Nachweise erbracht werden. Die Rentenversicherung zahlt an die berechtigen Personen, die Anspruch auf Rente und Grundrente haben, den zusätzlichen Betrag automatisch aus.

 

Wie wird die Grundrente berechnet?

Die Voraussetzung für den Erhalt der Grundrente ist das Erreichen von 35 Jahren „Grundrentenzeiten“. Darunter fallen Pflichtbeitragszeiten für versicherte Beschäftigung bzw. Tätigkeit, Pflege und Antragspflichtversicherung bei Selbständigen, Pflichtbeitragszeiten aufgrund von Kindererziehung, Berücksichtigungder Zeiten von Kindererziehung und Pflege, rentenrechtliche Zeiten wegen des Bezugs von Leistungen bei Krankheit und Rehabilitation.

Für diese Zeiten werden die durchschnittlichen Entgeltpunkte, die sich aus der bisherigen Berechnung ergeben, um einen Zuschlag , den Grundrentenbewertungszeiten, erhöht. Außerdem werden hier auch Kindererziehungszeiten mit ab 1992 geborenen Geschwistern berücksichtigt, die wegen Gleichzeitigkeit höhergewertet werden. Die Entgeltpunkte für „Grundrentenbewertungszeiten“ werden aufgewertet auf maximal 0,8 Entgeltpunkte, bis zu 35 Beitragsjahre.

 

Wie viel Geld bekommt ein Berechtigter?

Die Höhe der Grundrente wird abhängig sein von den Rentenpunkten, die in gesamten Erwerbsleben gesammelt wurden.

Beispiel einer Frisörin in Vollzeit:
Wenn sie 40 Jahre auf dem Niveau von 40 % des Durchschnittslohns voll gearbeitet hat, kommt sie derzeit auf eine Monatsrente von rund 529 Euro. Durch den Zuschlag der Grundrente bekommt sie 405 Euro mehr und damit eine Monatsrente von rund 934 Euro.

Berechnung der Grundrente:
durchschnittlicher Verdienst = 0,4 EP
Rente aus eigener Beitragszahlung: 40 Jahre x 0,4 EP x 33,05 € (aRW West ab 7/2019) = 529 €
Grundrentenzuschlag: 35 x (0,4 EP - (0,4 EP x 12,5 %)) x 33,05 € (aRW West ab 7/2019) = 405 €
Gesamtrente: 529 + 405 = 934 Euro (brutto)

 

Ich habe weniger als 35 Beitragsjahre

Zur Zeit ist noch offen, ob Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, welche die notwendigen 35 Beitragsjahre nicht ganz erreichen, auch einen Anspruch auf Grundrente erhalten. Für solche Fälle soll eine sogenannte eine Gleitzone eingeführt werden, die Details dazu sind aber noch unklar. Die genaue Art der Berechnung der Grundrente wird in den kommenden Wochen und Monaten ausgearbeitet – während des Gesetzgebungsverfahrens.